Pressebericht 
Außergewöhnliche Ausstellung eröffnet
 
06.09.2008
D 27305 Bruchhausen-Vilsen
Ausstellung

Laudatio von Gert Schröder (Vorsitzender des Vereins ART-Pojekt e.V.

Ich begrüße Sie herzlich zu der Ausstellung „GIDO & BARWITZKI“.

Der Titel enthält 2 Namen, nämlich Ursula Barwitzki, Künstlerin aus Worpswede, und Wolfgang Gido, Künstler aus Bremervörde.

Wer regelmäßiger Besucher dieser Galerie ist, der wird feststellen, dass ART-Projekt, genau wie bei der vorherigen Ausstellung, hier wieder eine Doppelausstellung mit Werken aus dem Bereich Malerei und Skulptur präsentiert. Die Ausstellungsräume bieten sich für dieses Zwiegespräch von Bildern und dreidimensionaler Kunst an. In der Planung für das nächste Jahr sind ähnliche Dialoge geplant.

Nun zu den Künstlern.
Leider ist persönlich heute nur unser Mitglied Wolfgang Gido anwesend. Wer sich aber in den wirtschaftlichen Überlebenskampf von freischaffenden Künstlern hinein versetzen kann und dann hört, dass Ursula Barwitzki gerade wegen eines lukrativen Gestaltungsauftrages auf der Insel Elba weilt, der wird Verständnis für ihre Abwesenheit haben.

Ich möchte mit der Künstlerin Ursula Barwitzki, deren 16 Bilder hier in den 3 Räumen präsentiert werden, beginnen.
Ursula Barwitzki wurde in Bytom oder Beuthen in Polen geboren. In Warschau absolvierte sie ihr Studium in freier Malerei. Später weilte sie in Holland zu weiteren Studien.
Seit den 80er Jahren lebt und arbeitet sie in Worpswede.
In vielen Ländern hat sie ihre künstlerische Arbeit in Galerien und Ausstellungen präsentiert.
In Grasberg bei Worpswede arbeitet und lehrt Ursula Barwitzki auf dem Lucashof. Sie gibt dort mit großer Resonanz Kurse in Malerei. Sie lehrt die verschiedensten Techniken und die experimentelle Malerei.

Mehrere Kunstpreise sind Ausdruck der Anerkennung für ihr künstlerisches Werk.
1993 Förderpreis des Landkreises Osterholz
1997 Kunstpreis des Landkreises Osterholz
2007 Dr. B.Kaufmann / Publikumspreis
2007 der Kulturpreis der Volksbank Osterholz-Scharmbek

Ihr künstlerisches Gesamtwerk umfasst neben der Malerei die Grafik, Installationen und Objekte, doch hier zeigen wir aktuelle Bilder ihrer Serie „GEGENSEITEN“.
In verschiedenen Arbeitsphasen der letzten Jahre entstanden Bildgruppen, für die die Künstlerin verschiedene Techniken und Materialien einsetzte.
Malerei und grafische Elemente greifen in ihren Bildern ineinander. Ihre Arbeiten leben von Polaritäten:
hell / dunkel
groß / klein
Geometrie / Muster.
Die Dynamik, ihr eruptives Umsetzen von Visionen, ist in ihren Bildern deutlich wahrnehmbar.
Für Barwitzki ist ihre Kunst auch ein Statement gegen die Abstumpfung der Wahrnehmung.

Sie sagt:
„Wir werden jeden Tag überflutet von Eindrücken, nehmen alles nur noch oberflächlich im Vorbeigehen wahr. Mit meinen Bildern möchte ich die Menschen einladen, einen Moment inne zu halten, genau hinzuschauen und den Blick für das Wesentliche zu schärfen.

Mir ist jede Reaktion, jede Emotion des Betrachters lieber als Gleichgültigkeit. Wenn sich jemand über meine Bilder aufregt, dann ist mir das nur recht.“

Mit ihrer Serie GEGENSEITEN polarisiert sich die Künstlerin deutlich gegenüber dem gefälligen Mainstream und zeigt gekonnt ihr künstlerisches Anliegen, teils mit kraftvollem Duktus und teils in ganz dezenten Linien und Formen. Diese lassen die Gedanken erahnen, die dem Bild zugrunde liegen.
Begeben Sie sich in den Dialog mit den Bildern. Jeder wird seine individuellen Empfindungen wahrnehmen und sich vielleicht mit anderen Betrachtern gern darüber austauschen.

Es ist bereits die dritte gemeinsame Ausstellung der beiden Künstler WOLFGANG GIDO und URSULA BARWITZKI. Beide haben sich gegenseitig mit ihren Arbeiten Impulse gegeben.

Wolfgang Gido, geboren in Cuxhaven, kam vor ca. 30 Jahren als Dachdecker nach Worpswede, um hier etwas über Strohdächer zu lernen.
In Worpswede begegnete er Kunst und Künstlern, und diese Begegnungen gaben seinem Leben eine entscheidende Wende.
Selber eigene Ideen umzusetzen und ihnen Formen zu geben wurde zu einem nicht mehr verdrängbaren Bedürfnis. Der Speckstein war das erste Material, in dem er seine Formvorstellungen umsetzte; doch schon bald war Holz für Wolfgang Gido das entscheidende, ihm immer wieder neue Impulse gebende Material.
Die Lebendigkeit des Materials fasziniert ihn. Er sieht in diesem Material eine Korrespondenz zum Menschen:

„Während Menschen die Risse ihres Lebens selten nach außen tragen, zeige Holz jede Spur der Veränderung und Verletzung sehr deutlich.“

Mit dynamischer Kraft und der Hilfe einer Kettensäge, als wichtigstem Werkzeug für die Umsetzung seiner gestalterischen Ideen, bearbeitet er den Werkstoff Holz. Wie alle Künstler hat Wolfgang Gido in den vielen Jahren seiner künstlerischen Arbeit immer wieder eine neue Phase prägnanter Ausdrucksformen gefunden. Weichen Formen folgten rustikale, kraftvolle Skulpturen.
In einer Ausstellung vor 1 ½ Jahren war ich überrascht, eine für ihn völlig neue Ausdrucksform zu erleben. Die Holzarbeiten waren farbig geworden. Mit klaren, leuchtenden Farbakzenten hatten Wolfgang Gidos Skulpturen eine ganz neue Dimension erreicht. Hier wurde deutlich, dass er seiner zweiten Liebe, der Malerei, auch in seinem skulpturalen Werk Raum verschaffen wollte.

Heute, bei dieser Ausstellung, hat er, wie er sagt, zurück gefunden zu seinen ursprünglichen gestalterischen Elementen. Kraftvoll bearbeitetes Holz, mit weißer Farbe lasiert, lässt die Form eindrucksvoll im Raum auf den Betrachter wirken.