Pressebericht 
FLIEGEN LERNEN ?
  
02.05.2015
D 27305 Bruchhausen-Vilsen
Ausstellung

Ausstellung "Fliegen lernen" in der Galerie ART-Projekt eröffnet. Elisabeth Schuller-Köster und ihre Tochter Tale Sophie Köster zeigen in der Klostermühle Heiligenberg ein spannendes Zwiegespräch zwischen Metallskulpturen und Fotografien. Die Ausstellung kann bis zum 30.06.2015 besucht werden.

Laudatio von Gert Schröder:
"In der nunmehr 12jährigen Geschichte von Ausstellungen des Kunstvereins ART-Projekt hat es 2 Dinge noch nicht gegeben:
Noch nie gab es eine Ausstellung mit Werken von Mutter und Tochter hier oder in der Galerie Linnenberg, und noch nie war ein Aussteller oder Ausstellerin so jung.
Tale Sophie Köster, im zarten Alter von 22 Jahren, stellt ihre Fotoarbeiten zum ersten Mal aus. Sie und ihre Mutter, die Metallbildhauerin Elisabeth Schuller-Köster kommen aus Oldenburg, doch Tale Sophie ist bereits flügge geworden und hat das elterliche Nest bereits verlassen und ist nach Bremen gezogen oder geflogen – um einmal einen Bezug zum Titel dieser Ausstellung FLIEGEN LERNEN zu finden.
Wie sie, meine Damen und Herren, es bereits gesehen haben stellt die junge Künstlerin mit Ausnahme von 2 Collagen nur mit Photoshop bearbeitete Fotografien aus.
Wobei die Collagen gleichfalls auf fotografische Arbeiten basieren.
Das Besondere an diesen Bildarbeiten ist das Motiv. Alle Bilder, die Tale Sophie Köster hier präsentiert, zeigen ihre jüngere Schwester Benne in unterschiedlichsten Posen.
Es sind Momentaufnahmen, die in verschiedenen Shooting Sessions entstanden sind und dann von der jungen Künstlerin am PC bearbeitet wurden. Bei manchen Bildern wurden verschiedene Bewegungssequenzen über einander gelegt, beispielsweise bei den Bildern HEAD TO WALL oder STRETCHFACE, so dass die Bilder eine besondere Dynamik spüren lassen.
Bei einigen Bildern wurde der gewünschte Effekt offenbar auch noch mit dem Weichzeichner herausgearbeitet.

Ein großer Teil der Arbeiten sind in schwarz/weiß gehalten und somit wird die Bildaussage noch verstärkt und das fotografierte Objekt, also die Schwester Benne, etwas in die Anonymität gerückt.

Ganz anders sind die farbigen Bilder, die Heiterkeit und Lebensfreude transportieren. Ich denke hier besonders an die Bildserie mit der venezianischen Karnevalsmaske. Auch hier bleibt das fotografierte Objekt anonym – was ja auch der Sinn einer Maskenverkleidung ist.

Noch einmal zu den 2 Collagen im hinteren Raum. Sie tragen die Titel SPRINGTEUFEL und DREH MICH-DREH MICH. Hier dokumentiert Tale Sophie sehr deutlich ihre Kreativität, die auf noch viele zukünftige, ideenreiche Kunstwerke hoffen lassen.

Tale Sophie Köster studiert an der Kunstschule Ottersberg Kunstpädagogik und Kunsttherapie. Das heißt also Kunst im sozialen Bereich. Auf meine Frage: Wie soll ich mir Kunsttherapie vorstellen? Die Therapeutin nutzt künstlerische Techniken – das kann Malerei, Töpfern oder vielleicht auch Stricken sein – um damit therapeutisch Menschen zu helfen. Sie sehen Tale Sophie ist bereits ziemlich weit mit dem FLIEGEN LERNEN.

Ganz anders möchte ich den Begriff FLIEGEN LERNEN auf die vielseitigen Arbeiten von Elisabeth Schuller-Köster auslegen. Wir haben bereits faszinierende Arbeiten z.B. bei unserer letzten Gemeinschaftsausstellung hier in der Klostermühle gesehen. Diese Ausstellung nutzt die Künstlerin zu einem wesentlich breiteren Spektrum ihrer künstlerischen Arbeiten. Direkten Bezug finde ich bei dem Werk Mann & Meer, das im Mittelraum platziert ist. Ein Mann in einem schwankenden Boot schwebt über ein Gespinst aus Metalldrähten-ganz so als ob es versucht zu fliegen. Es kamen mir bei der Betrachtung dieser Skulptur sofort Assoziationen zu dem Buch DER ALTE MANN UND DAS MEER von Hemingway, welches ich vor vielen Jahrzehnten verschlungen habe. Die Metalldrähte sind wohl als aufgewühltes Meer zu verstehen, doch bei dem gewählten Titel der Ausstellung kam ich gleich auf die Schwerelosigkeit des Fliegens.

Elisabeth Schuller-Köster lässt ihrer Kreativität freien Lauf und Ideen scheinen ihr nur so zuzufliegen. Wenn ich bisher nur reine Metallskulpturen von ihr gesehen hatte, wurde ich bei dem Anblick dieser Ausstellung auch von der Nutzung ganz anderer Materialien überrascht. DIE MONDFAHRT im hinteren Raum überraschte mit einem schweren Stück eines Eichenfachwerks auf Rädern, die wohl Räder eines ehemaligen Kinderwagens oder einer Kinderkarre gewesen sein mochten. Der Clou dieser Arbeit ist das winzige metallene Fahrzeug obendrauf: eine Halbmond auf Rädern.

Eine Skulptur, die typisch für das künstlerische Werk von Elisabeth Schuller-Köster ist; eine verspielte und sinnfreie Gestaltung ihrer Arbeiten, die wohl manchmal geplant scheinen, aber dann von plötzlichen Eingebungen geprägt werden.

Bei dem Werk ALLEINLAGE dient ein kleiner Findling als Basis für die Metallarbeit. Häuser, Bäume und Menschen sind in den Metallarbeiten immer wieder in neuen Variationen zu finden.
Diese Sentimentalität in ihren Motiven kann man sich schwer im Zusammenhang mit den gewählten Materialien Stahl und Eisen vorstellen.

Ganz aus Metall ist die Skulptur AUSSER KONTROLLE. Ein Mensch bricht von Innen einen Zirkuswagen auf, der eigentlich für den Transport von Zirkustieren gedacht ist um aus dem Milieu ausbrechen oder der der Enge dieses Zirkuslebens entfliehen möchte.

Besonders schön und eindrucksvoll ist die Skulptur Der ELCHTEST die leider nicht zum Verkauf steht. Hier kam mir gleich der etwas alberne Spruch in den Sinn: Ich glaub mich knutscht ein Elch.

Zusammenfassend möchte ich sagen, dass eigentlich 3 Mitglieder der Familie Köster hier in der Galerie vertreten sind: Die beiden Künstlerinnen Elisabeth Schuller-Köster und ihre Tochter Tale Sophie mit ihren Kunstwerken und natürlich das vielfach fotografierte Modell Benne.

Ich wünsche dieses Ausstellung einen guten Erfolg, zumal weil sehr gute Kunst zu moderaten Preisen angeboten wird.

Lassen Sie sich im persönlichen Gespräch noch detaillierter darüber informieren, welche Gedanken den künstlerischen Entstehungsprozessen zugrunde lagen."