Pressebericht 
PEKING in BRUCHHAUSEN-VILSEN - Vernissage 2 in der Galerie ART-Projekt
  
04.07.2015
D 27305 Bruchhausen-Vilsen
Ausstellung

Die chinesische Künstlerin TingTing, welche die höchste Ausbildung in China genossen hat, legte in der Ausstellung neben chinesischer Malerei ihren Schwerpunkt und Stillleben und Portraits, welche sie meisterlich präzise gemalt hatte. Andreas Achberger, Vorsitzender des ladenden Vereins ART-Projekt ging deshalb in seiner Laudatio besonders auf den kunsthistorischen Aspekt von Stillleben und Portrait in der Romantik ein, welcher sich in der darstellenden Art und Weise der Exponate deutlich zutage tritt.
Die Frage, weshalb sie aus Peking ausgerechnet nach Deutschland kam erklärte die Künstlerin selbst in Schriftform und fügte eine interessante Bildbesprechung hinzu (Bild 1).

Der Anfang meines deutschen Lebens

"Mitte Mai 2010 – nach über 30 Stunden Reisezeit – kam ich dem Land an, welches ich zuvor nur mit meinem Finger auf dem Globus besuchte: Deutschland.
Aus meiner Heimatstadt kommend, Peking – einer Stadt in der das Leben nie still steht und man nie alleine ist – verbrachte ich die erste von vielen Nächten in dem kleinen, ruhigen Dorf Meinersen. Der Kontrast zu China hätte nicht größer sein können.
Es war faszinierend: Die Haare der Leute waren so farbenfroh und die weiße Haut erinnerte mich an die Venus von Lucas Cranach dem älteren. Das Essen schien direkt aus dem Stillleben von Vermeer zu stammen und die Menschen wohnten in Häusern wie von Albrecht Dürer gemalt. Rundherum bestand die Welt aus den Wäldern Caspar David Friedrichs. Hier schien alles wie ein Gemälde zu sein, jeder Blick präsentierte sich wie ein Meisterwerk.
Die Kunstdrucke auf Papier wurden plötzlich zur Realität. Zudem war es möglich die originalen Gemälde in den Museen zu betrachten – Es ist wirklich wie ein Traum der wahr wird. Nicht nur mein Traum, sondern auch der Traum meines Lehrmeisters und der vielen Kunststudenten, denen zum erlernen der klassischen westlichen Kunst nur schlechte Drucke zur Verfügung stehen.
Gespeist von der Inspiration so vieler Motive und dem neuen Leben, begann der Fluss meiner Kreativität über die Ufer zu treten. Ich vergaß mein Heimweh. Ganz im Gegenteil: Ich befand mich im Heimatland meiner Kunst, welche doch mein Leben ist. Hier bin ich den alten Meistern so nahe. Ich weiß, dass ich alle Sinne benutzen kann und werde, um die Kreativität in meinen Werken widerspiegeln zu lassen."

Das Mysterium geschlossener Türen (Bild 1)

"Vor dreißig Jahren wurde China durch eine Revolution verändert. Seit dem entwickelt sich die Wirtschaft stark und mit den westlichen Gesichtern und Schrift tauchen auch viele Arten von Kunst in China auf. Die Chinesen mögen es immer mehr, aus ihrem Land in andere zu reisen. Es scheint, als wenn sich die Tore Chinas öffnen. Doch nach fast zwei Jahren Erfahrungen in Deutschland kann ich sagen: Dem ist nicht so. Unsere Tore sind nur einen Spalt weit offen.
Anfang des Jahres bin ich zum Frühjahrsfest zurück nach Peking gereist und habe in einem abgeschiedenen Seitenhof der verbotenen Stadt eine mit Ketten verschlossene Doppelflügeltür entdeckt. Dahinter befand sich ein weiterer kleiner Hof, grasbewachsen aber ansonsten gänzlich leer. Eine passende Analogie zu dem wie die westliche Welt China wahrnimmt und was sie von China weiß. Auf meiner Seite der Türen wandelten Generationen von Kaisern – umringt von Duftblütenbäumen, Räuchergefäßen sowie herrlicher Tür- und Gebäudeverzierungen die sich nur an kaiserlichen Orte finden lassen. Ein neugieriger Westländer schaut von draußen durch den Türspalt und möchte wissen wie die Menschen hier – in China – leben. In den westlichen Ländern sind die Menschen wie er, bemühen sich mehr und mehr die östliche Kultur zu erlernen und zu verstehen – darüber freue mich sehr. Aber der Weg der Informationen hat diese auch verändert und so höre ich immer wieder: Japanisches Yoga, japanischer Pflaumenwein, japanisches Porzellan, japanisches Reispapier, ja sogar japanische Han-Schriftzeichen (die chinesische Schrift)! Das schockiert und verärgert mich – all das stammt ursprünglich aus China. Was haben denn dann die Chinesen erfunden – Japan?
In China folgen viele Menschen meiner Generation blindlings den westlichen Beispielen. So werden Pommes von den Eltern zur Belohnung für gute Noten und moderne Kunst wird zu einer Ausrede für Leute, die Kunst schaffen wollen, sich aber das jahrelange Studium der grundsätzlichen Fertigkeiten eines echten Künstlers sparen wollen. Diese Chinesen sehen nicht, dass die moderne Kunst im Westen von hundert Jahren Geschichte gestützt wird. In den letzten hundert Jahren haben die westlichen Länder daran gearbeitet ihre Industrie und Militärtechnik zu verfeinern. Für sie, anders als für die Chinesen, war die Konzentration auf die Arbeit das wichtigste und nicht das Essen – es wird gegessen was da ist: Kartoffeln in allen Varianten.
In Deutschland gibt es viele Wege Kunst zu schaffen, denn bereits 700 Jahre zuvor befanden sie sich an der Spitze der realistischen Malerei. Dadurch besitzen sie eine angeborene Gabe Schönheit zu bewerten und zu definieren – und deshalb können sie auch so viele Wege nutzen, um Kunst zu schaffen und ihre Emotionen auszudrücken.
In diesem Bild sind die Türen wie gespiegelt und stellen die tausendjährige geistige Vormundschaft der Herrschenden Klasse dar. Sie stehen für feststehende Denkpfade, von denen es schwer ist abzuweichen. Die mit Rissen versehene, verblichene, alte rote Farbe, steht für die tiefe und ebenso alte chinesische Geschichte. Das junge, glänzende, blaue Auge steht im starken Kontrast zu der Tür und der alten Farbe. Das rechte Auge des Westländers und der betonte helle Fleck unter dem linken Türknauf, wo die Farbe abgewetzt ist, bilden eine Ausgewogenheit, welche für die Änderung und das Ausbrechen aus geschlossen Denkweisen steht.
Ich versuche mit meinem Pinsel die Türen weiter aufzuhebeln, damit die Leute aus dem Westen das ganze China erkennen können und auch damit die sehen, dass es durchaus ein ganzes Leben lang dauern kann um die Türen mit Geduld und Willen zu öffnen und die gesamte chinesische Kultur zu begreifen."

Im Weiteren zeigt die Künstlerin einen kleinen Ausschnitt traditioneller chinesischer Malerei und Skulpturen, welche in Kooperation mit der Künstlerin Heike Martin entstanden.

Die Ausstellung kann noch bis 1. September in der Klostermühle Heiligenberg besichtigt werden.
Zudem findet am Sonntag, den 30. August von 15 bis 17 Uhr eine Sonderaktion der Künstlerin statt: "Ihr Name in chinesischen Schriftzeichen". Dass dies etwas ganz Besonderes ist, durften die Besucher der 1. Vernissage des Tages in der Galerie Schildmair live erleben.