Pressebericht 
Ausstellung UNERSCHÖPFLICH von Edgar Wüstefeld eröffnet
Bilder auf den zweiten Blick zu erfassen ist bei der Ausstellung von Edgar Wüstefeld bei ART-Projekt in der Klostermühle Heiligenberg Voraussetzung zum Verständnis.
  
02.02.2020
D 27305 Bruchhausen-Vilsen
Ausstellung

Bilder auf den zweiten Blick zu erfassen ist bei der Ausstellung von Edgar Wüstefeld bei ART-Projekt in der Klostermühle Heiligenberg Voraussetzung zum Verständnis. Dabei macht er sich keinen Spaß daraus, seine Inhalte zu verstecken, sondern transponiert diese in ikonolische Darstellungen mit Symbolik.
Karin Altrogge, die Vorsitzende des gastgebenden Kunstvereins ART-Projekt e.V. zeigte in ihrer Laudatio diese Tiefe punktgenau auf. Als Überraschung für Künstler und Publikum trug die Autorin Anett Molyrier ihre metrisch geformten Gedanken und Gefühle zu Wüstefelds Werken vor.

Nachfolgend das Script zur Laudatio von Karin Altrogge:
"Liebe Gäste, liebe Mitglieder des Kunstvereins ART-Projekt Im Namen des Vereins und der Familie Brüning möchte ich Sie heute ganz herzlich zu der Vernissage von Edgar Wüstefeld begrüßen.
Edgar Wüstefeld wurde in der Nähe Göttingens geboren, aber durch den Umzug seiner Eltern nach Sulingen, absolvierte er dort seine Schulzeit bis zum Abitur. Danach folgte ein Jura-Studium und verschiedene Stationen im juristischen Bereich. Malen war schon im Vorschulalter seine Leidenschaft, geprägt haben ihn während der Schulzeit der Künstler Robert Enders, zu der Zeit Kunstlehrer am Gymnasium Sulingen, und Johannes Pätzold, ebenfalls Künstler aus Sulingen. Nach erreichen des Pensionsalters hat er zu seiner Leidenschaft: der Malerei, zurückgefunden und seit 2005 intensiv vorangetrieben.
Es wurde zuerst bei Robert Enders und Johannes Pätzold, dann weiter in der Kunstschule Frey in Vechta gemalt. Bei Jürgen Frey intensiv seit 2011. Beeinflußt wird seine Malerei durch Gerhard Richter und Anselm Kiefer. In seiner Kunst ist ihm wichtig, immer neue Wege zu entdecken und für sich und dem Betrachter etwas zum Klingen zu bringen, etwas auszulösen, z.B. Diskussionen über das Bild!
Edgar malt gern in abstrakten Formen und Orientierungshilfen sind bei seinen Motiven die Umgebung, die Architektur, die Landschaft und auch politische Einwirkungen, kurz alles, was für ihn ein Bild, wie er sagt: zum Klingen bringt. Mit dem Titel der Ausstellung: `Unerschöpflich``stellt er dar, dass seine Ideen für Bilder ein unerschöpfliches Potential bieten. Es gibt keine bestimmten Schlüsselbilder, sondern für ihn ist es immer gerade das Bild, an dem er arbeitet! Seine Bilder sollen den Betrachter zum Nachdenken anregen und neugierig machen auf das, was dargestellt sein könnte. Bilder, die im richtigen Augenblick und in der für ihn richtigen Stimmung gemalt werden sind die aktuellen Lieblingsmotive. Auf meine Frage nach seinen persönlichen Stärken, hat er etwas tief gestapelt, wie man so sagt, : Stärken erkenne ich (noch) nicht, nur Schwächen! Allerdings bringen sie ihn dazu, weiter an sich zu arbeiten und sich ständig weiter zu entwickeln.

2016 erhielt er den Kunstpreis des Vereins Kunst in der Provinz. Zum Thema Aufbruch präsentierte er eine verblasste Deutschlandflagge mit deutlich zerrissener, aufgebrochener Oberfläche, die die Jury überzeugte! Es war mehr oder weniger auch ein politisches Statement zu unserer zerrissenen Gesellschaft. Darauf möchte ich hier nicht näher eingehen, weil dieses Bild schon vielfach besprochen wurde.
In dieser Ausstellung möchte ich ein Bild näher besprechen, nämlich das Bild auf der Einladung.
Dieses Bild, hier rechts auf dem Vorsprung, zeigt ein überdimensionales Auge, was an das Horusauge erinnert. Dieses ist ein Altägyptischen Sinnbild des Himmels- und Lichtgottes Horus, es fand Verwendung im alten Ägypten in der Magie und in der Medizin. Man spricht auch vom Udjat Auge, was soviel wie intakt, vollständig, heil und gesund bedeutet. Im Kampf um die Macht, entriß Seth (Bruder seines Vaters) dem Horus das Auge, der Lichtgott Thot gab es ihm zurück, behielt aber einen winzigen Teil, so kam man in der mathematischen Berechnung nur auf 63/64 also nicht ein volles Ganzes! In der Medizin benutzten es die Ärzte bei der Herstellung eines Medikamentes, in dem sie das mathematische Verhältnis des Auges für die Dosierung der Zutaten anwandten.
Das Gelb des Bildes symbolisiert für mich das Licht, die Helligkeit erzeugt eine positive Einstellung auf das Bild, verstärkt wird der Eindruck noch durch die Einarbeitung von Blattgold. Dieses Auge ist auch heute noch ein beliebtes Symbol als Amulett, es dient unter
Anderem dem Schutz gegen den bösen Blick und vor Unfällen, außerdem soll es Kraft verleihen und Fruchtbarkeit bringen.
In der Heilkunde der Ägypter hatte das Auge neben der mythologischen Bedeutung auch konkrete Entsprechungen: verschiedene Formen der Wahrnehmung wurden ihm zugeordnet: der rechte Teil entspricht dem Geruch , die Pupille dem Gesicht, die
Augenbraue den Gedanken, der linke Teil des Auges dem Gehör und die Spirale Geschmack.
Im Mittelmeerraum zB. Malta werden die Fischerboote noch immer mit Augen als Schutzsymbol bemalt! In dem Bild von Edgar ist das Auge durch ein Netz überlagert, vielleicht soll es uns das Bild nicht sofort erschliessen? Die Darstellung in der Bildmitte zeugt für die Dominanz und deren Bedeutung des Auges auf der Fläche. Am linken Augenrand deutet eine Träne wie ein Pfeil Richtung Erde, symbolisch für Wachstum, denn ohne Feuchtigkeit (Wasser) kann nichts gedeihen.
Über der Großen Tür auf dem Fries hängt ein Bild, das sich durch den Titel etwas erklären lässt. Ein übergroßes Ei und ein kleiner Teil eines Drahtzaunes im unteren Viertel rechts! Während der Flüchtlingskrise ist dieses Bild entstanden. Der Draht ist in diesem Fall keine Ausgrenzung, sondern hat auch eine Schutzfunktion, wie ein Zaun, der ein Grundstück beschützt. Das Ei schützt das Küken, das sich im Wachstum befindet, das Ganze umgeben von einer blauen Farbe, die für mich eine Farbe der Hoffnung ist und Ruhe und Gelassenheit ausstrahlt. Gearbeitet sind die abstrakten Bilder in der Spachteltechnik auf Leinwand mit Acrylfarben. In mehreren Bildern gibt es klare Formen, Linien und Kreise bestimmen das Bild, auch wenn das Lineare teilweise überspachtelt ist, wird eine Linie unzweifelhaft deutlich!!
Im unteren Bereich der Klostermühle finden Sie auch etwas früher entstandene Bilder, die sich mehr an der Realität orientieren, wie z.B. die Dachlandschaft oder die Flamenco-Tänzerin und die Kürzel einer Gondel Venedigs. Das Grau-Rote Streifenbild in der Ecke ist für mich die Überleitung in die Abstraktion im Obergeschoß, über Eck gehängt erzeugt das Bild eine Spannung, die uns den Weg nach oben weist!
Für die Klostermühle wurden die Bilder betitelt, ansonsten überlässt es Edgar Wüstefeld gern dem Betrachter, das Bild selbst zu interpretieren. Ein Beispiel: Das Bild rechts auf dem Gang zu den Waschräumen war für mich auf ersten Blick eine Wiese und darüber ein Rapsfeld, der Horizont gebrochen durch die fliederfarbenen Senkrechten, Zaun, Grenzpfähle? Der Titel das Geschenk ließ mich nachfragen und siehe da, mit mehr Abstand erkennt man eine Hand, die eine Perle hält!
So sind die Bilder von E.Wüstefeld nicht immer sofort auf den ersten Blick zu erschliessen, man muß sie längere Zeit betrachten und vielleicht auch Mal den Künstler dazu befragen. Ich möchte Sie ermutigen, sich auf interessante Erklärungsgespräche mit Edgar Wüstefeld einzulassen.
Für Ihren Rundgang durch unsere Bilder-Galerie wünsche ich Ihnen viel Vergnügen und viele Fragen dazu an den Künstler Edgar!!
Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit."